CORAL SEM álcool

Das Plätschern des Regens, die Rinnsale, die vom Dach fliessen, einen Vorhang aus transparentem Garn spinnend, das Aufschlagen der Wellen, das Hin- und Herrücken von Plastikstühlen, das Schaben und Spachteln von Messer und Gabel, die leisen Schritte der Turnschuhe auf Stein, die munteren beiläufigen Tischgespräche und das Gegacker der Alten.

Und dann all die Blicke: Die besorgten der Mütter, welche die Pizza der Kinder schneidet, Fütterung der kleinen Vögelchen, der Mozzarella-Faden, Nabelschnur zur Welt, die Konzentration der Bedienung, die einen Teller an einen Tisch bringt, ein paar Pommes fallen zu Boden, der abwesende Blick des alten Mannes, welcher das Meer in der Dunkelheit nach einem Horizont absucht, als ob dort draussen die Erinnerungen lägen, tief unten auf dem Meeresboden, die gleichgültigen Züge des jungen Mannes, der mit seinem Herzen bei seiner Geliebten ist. Fernandes Bart spriesst, schaut mal einer an! Was für ein Jungspund, mehr Flausen im Kopf als Hirnzellen!

Dann der Geruch nach gegrillter Hähnchenbrust, gemischt mit feuchter Regenluft und Zigarettenrauch.

All diese Dinge bedürfen einer Betrachtung. Das Protokoll hält fest, dass die Menschen glücklich sind, ihr stolzes Auge auf die satten Kinder fällt, sie Angst haben, vor der Krise, vor Stürmen, der Armut, dass ihr Partner trinkt oder das Glück in Lose investiert. Es braucht jemanden, der all diesen Gefühlen eine Bedeutung gibt, eine Melodie und einen Klang. Ein Refrain aus Regengeplätscher, Lachen und Tchim-tchim! Ein Refrain aus Öffnen von Getränke-Dosen, und dem Schütteln von Salzstreuern. Der klatschende Chor der Kinder, die am Wochenende bis in die Nacht tanzen und hüpfen, frei von Zukunftsgedanken und Erinnerungsbrei.

Ich bin als Protokollantin gekommen, und verkneif mir nicht die Fussnoten, die Klammern und die Rückblenden, da bin ich zu Hause, im Nebensatz, im Atemholen, im Zurechtrücken von Wörtern gemäss den Regeln von Logik und Ästhetik. Ich bin die Esmeralda der Textstruktur. In meinem Text dürft Ihr baden, die Handtücher liegen gewaschen und gefaltet im Schrank. Das Bett ist frisch bezogen und der Kühlschrank gefüllt. Macht es Euch gemütlich, ganz wie Ihr wollt: Ich presse Orangen und Zitronen für den Poncha, und was Ihr sonst noch begehrt, ich schreibe es auf.

Nur Karaoke-Singen, das kann ich nicht.

Nein. Bitte nicht!

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