Richtig atmen, wenn die Nase läuft / Eine Anleitung

Es ist wieder mal so weit; ich habe die Talsohle erreicht. Meine Nase läuft.

In der Talsohle findet man neben Tränenbächen- und Seen meist auch eine Anleitung ihrer Handhabung. (Kann man ein Gewässer handhaben? Eigentlich nicht, Gewässer sind ja keine Küchenutensilien, auf der Seelenebene aber schon. Es sind Symbole und Symbole bilden sozusagen den Gegenstand in unserem Geist ab, also kann man Symbole handhaben, schliesslich will uns unsere Seele mit dem Instrument des Symbols etwas mitteilen. Also weiter.) Stürzt man sich ins Gewässer (a), lauscht man dem Geplätscher (b) oder lässt man sich wegspülen (c).

Das ist also der Vorzug der Talsohle; man erinnert sich wieder an die unglaublich guten Tipps und Tricks, die man auf vormaligen Ausflügeln bereits gesammelt hat und grosszügig weiter geben kann. Und was ist schöner als zu geben! Wer gibt, kommt in die Fülle!

Fans des Loslassens wissen es: Loslassen heisst zulassen. Also ist man am besten mit Option c beraten. Wegspülen lassen. Kapitulieren. Hinnehmen. Elektronische Geräte ausschalten. Atmen. Nur Atmen. Und dann kommt der Rest von alleine hoch, wird die Seelensuppe umgewühlt. Um das Floating zu perfektionieren, sollte man keinem Gedanken nachhängen, und die Aufmerksamkeit immer wieder auf den eigenen Körper lenken. Den Chef vorbeiziehen lassen, dieses Projekt, jenes Projekt, die Familie, den Liebsten, alles vorbei ziehen lassen. Ins Herz atmen. Häufig sind wir so sehr im Kopf, ohne davon überhaupt Kenntnis zu nehmen. Bis wir eben krank werden.

Dem Herz aber kommt eine viel grössere Bedeutung zu als wir gemeinhin annehmen. Wir können den Herzmuskel und damit unsere Herzintelligenz stärken. Damit gewinnen wir Vitalität, geistige Klarheit, Kreativität, höhere Leistungsfähigkeit, Gelassenheit und klare Kommunikation.

Klingt ziemlich einfach, ist es aber nicht.

Denn die Probleme lösen sich nicht in Luft auf, nur weil man ins Herz atmet. Jedenfalls nicht urplötzlich, sondern allmählich, durch die andere Sichtweise auf eine Herausforderung. Hierbei kommt wiederum der Verstand in die Quere. Man fischt im trüben Gewässer, denkt bei jeder Blechdose die man rauszieht, so, jetzt hab ich dich, du Gefühl du! Aber Gefühle sind keine Blechdosen. Wenn wir sie dingfest machen wollen, entgleiten sie uns. Es gilt einzig und alleine, sie wahrzunehmen. Zu Atmen. Bis zwischen den Atemzügen die Kruste aufreisst, sprich, die verstopfte Nase läuft.

 

 

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Füllst Du Deine Gegenwart aus? oder: Wie man sich rund verwinkelt

 

  1. Wähle die richtige Kleidergrösse. Zu enge Kleidung beeinträchtigt Deinen Atem und führt nicht nur zu Verdauungsproblemen sondern auch zu Rückenschmerzen. Zu weite Kleidung hingegen macht Dich kleiner als Du bist. Nimm den Raum ein, den Du benötigst, und lasse Dich nicht von der Kleidung einräumen.
  2. Halte Zeitdiebe wie Social Media vom Leib. Sie reduzieren Deine Gegenwart auf einen Informationsverarbeitungsorganismus‘, der einzig zur monetären Wertschöpfung beiträgt und sich zum Komplizen der moralischen Wertevernichtung macht.
  3. Trinke genügend, damit Du nicht falschen Zielen hinterher hechelst. Was lange gärt, riecht nicht gut, daher übertreib es nicht mit den alkoholischen Getränken.
  4. Ernähre Dich vegan.
  5. Verbringe Deine Zeit mit Tieren – das fördert die Aktivität Deiner rechten Gehirnhälfte und stärkt Deine Intuition. Als Alternative kannst Du auch einen Kopfstand machen und von Hundert in unterschiedlichen Tonhöhen bis Null zählen. Auch das Singen von Kinderliedern wie „Alle meine Entlein“ ist hierzu förderlich.
  6. Entwickle Deine eigene Sprache. Verzichte auf Wörter wie „Gewinnmaximierung“ oder „Neoliberalismus“. Stattdessen forsche nach neuen Verbaltechniken zur optimalen Liebesausschüttung.
  7. Betrachte moderne Kunst und achte die Kapriolen des menschlichen Geistes. Nutze diese Meditation als Sprungbrett für eigene Saltos. Die Freude an der Bewegung ist Weg und Ziel. Nimm Dir die Tiere zum Vorbild. Stell Dir vor, Du bist ein Murmeltier. Du gräbst ausgeklügelte Tunnelsysteme, warnst Deine Freunde mit einem lauten Pfiff vor Gefahren und kuschelst gerne und ausgiebig mit ihnen. Der Mensch macht Kunst, um andere zu erheitern, das ist seine Art des Kuschelns. Jede menschliche Tätigkeit wiederum kann und muss ästhetisch verfeinert werden.
  8. Materialisiere Deine geistigen Luftsprünge. Lokalisiere die Schaltstelle zwischen „etwas tun wollen“ und „etwas tun“. Punkt 4 unterstützt die physische wie psychische Antriebskraft. Stelle das Gewollte in einen grösseren Zusammenhang. Ein Mantra wie „Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen“ leistet hier wunderbar fruchtbare Dienste.
  9. Lasse Raum frei.
  10. Dehne diesen Raum und stelle dort Dein Trampolin auf. Verbinde oben und unten.

Fertig!

Gedankenwetter

Eine wichtige Rolle, um erfolgreich seine Ziele zu verwirklichen, spielen die Gedanken. Sie sind es, die uns antreiben oder blockieren. Zeit also, eine Gedankenwetterstation zu errichten. Man benötigt dazu einen Ausschnitt des Himmels, am effizientesten gestaltet sich der Blick in den Himmel vom Schreibtisch aus. Bevor man sich ans Tagwerk macht, stellt man sich vor, der aktuell vorherrschende Gedanke würde als Kerosinspur am Himmel erscheinen. Was für Wolken würden sich daraus bilden? Gerade Schreiberlinge können nun damit beginnen, mit dem Gedanken zu arbeiten, ihn zu optimieren. Falls sich unproduktive Gedanken mit flauen Gefühlen mischen, empfiehlt sich eine kleine Meditation.

(Heute erscheinen keine Kerosinspuren am Himmel. Warum waren es gestern so viele? Schachbrettartig geflogen. Wäre eventuell das Schachspiel eine neue Herausforderung für mich? Spielen die Piloten Schach am Himmel? Könnte ich dadurch meinen Geist weiten? Durchs Fliegen, durchs Schach oder durchs Himmelschach? Oder rührt meine Schreibvorsicht, um sie nicht vorschnell als Blockade zu verunglimpfen, eventuell von einem zu weiten Geist? Ziemlich forsch, eine solche Selbsthypothese! Die hält aber auch etwas viel auf sich! Ist das wahr, halte ich etwas viel auf mir? Ach, das Gegenteil davon ist doch wahr!)

Die übertriebene Strenge (Kritiksucht) sich selbst gegenüber, ist übrigens nichts anderes als eine Form des Narzissmus‘. Sie hat uns demnach nicht zu interessieren. Wer erfolgreich sein will, der ist per definitionem toll, ohne daraus einen Kult ableiten zu wollen oder er ist ein glockenloser Glockenturm.

Wenn es regnet, wird man nass, es sei denn, man träg Hut und Regenjacke. Gerade in Zeiten der Niederlage, und die kommen so sicher wie das „Comment ça va“ der Welschen, ist es wichtig, eine Katze zu haben, die ab und zu über die Tastatur huscht, und mit ihren Pfötchen Sonderbefehle erteilt. Will ich damit sagen, dass Katzen Regenjacken sind? Das nicht: Aber ein Text, der nicht schnurrt, ist so viel wert wie ein Nagel ohne Kopf. Und auf die Frage, wie es uns geht, müssen wir stets gewappnet sein: „Ich gedeihe“, lautet hier die richtige Antwort.

Öppis z Fade schla

Ich habe angekündigt, in dieser Rubrik die eine oder andere praktische Hilfestellung für Alltagsmanöver zu geben.

Wie weit bist Du mit Deinen Neujahrsvorsätzen gekommen? Keine Angst, wenn Deine Antwort jetzt lautet: „Ähhm, tja, na ja, ich habs halt nicht richtig versucht“, dann bist Du schon sehr weit, bereit, Dich nicht mehr selbst zu belügen. Denn häufig fassen wir einen Vorsatz, ohne uns im Klaren darüber zu sein, wie wir diesen Vorsatz überhaupt umsetzen wollen: Wir brauchen einen Plan! Formuliere Dein persönliches Ziel in einem positiven Satz, beispielsweise: „Ich möchte viel lachen“, präzisiere nun Dein Vorhaben: „Ich möchte in den nächsten zwölf Monaten viel lachen!“ Wenn es für lachen eine Masseinheit gäbe, könntest Du sie hier noch anfügen, zum Beispiel: „Ich möchte in den nächsten zwölf Monaten 7 Kg lachen oder ich möchte in den nächsten zwölf Monaten mindestens einmal in der Stunde eine halbe Minute lachen.“ Solltest Du die zweite Variante wählen, könntest Du beispielsweise die NSA um Hilfe bitten, Dich doch für die nächsten zwölf Monate daran zu erinnern, wenn Du einmal das Lachen vergessen solltest, schliesslich ist Dein Mobiltelefon die perfekte Wanze. Möglicherweise wären sogenannte Lachdiagramme, wer wie oft lacht, auch bei der Partnerwahl dienlich. Nun, ich schweife ab. Sobald der Vorsatz formuliert ist, nimmst Du einen Faden und eine Nadel zur Hand. Während Du die Nadel einfädelst, sagst Du laut vor Dich hin: „Ich ziehe es durch.“ „Ich ziehe es durch.“ „Ich ziehe es durch.“ Wenn es dir gelingt, den Faden durchs Nadelöhr zu ziehen, wird sich dieser Erfolg in Deinem Unterbewusstsein verankern; der Faden ist jetzt gleichsam mit Deinem Ziel, viel zu lachen, verbunden, und so hast Du Deinen künftigen Erfolg bereits in Dir verankert oder eben: Zu Faden geschlagen.

Ich hoffe, Du verzeihst mir das Geduze – die Suggestionen wirken mit Hilfe der vertrauten Ansprache am effizientesten! Probiers mal andersrum aus, und sieze Dich einen Tag lang!

Bleibe im Dialog mit Dir selbst!

Deine BOG